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Ein Appell an die Menschlichkeit

Bildungsgewerkschaft GEW Wiesbaden kritisiert Abschiebungen junger Menschen scharf

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Foto: pixabay.com | Caio

Mit großer Besorgnis sehen wir uns in Wiesbaden mit einer Zunahme von Abschiebungen

junger Menschen konfrontiert. Jede einzelne Abschiebung ist nicht nur ein

einschneidendes Ereignis im Leben junger Menschen, sondern stellt auch einen

schwerwiegenden Verstoß gegen die Werte von Menschlichkeit und Bildung dar.

Es ist unbegreiflich, dass Jugendliche, die kurz vor dem Schulabschluss stehen oder sich

in der Ausbildung befinden, so ihrer Chancen auf Bildung beraubt werden. Viele dieser

jungen Menschen haben hier in Wiesbaden nach Krieg, Vertreibung und Flucht ein neues

Zuhause gefunden und sich in unsere Gesellschaft integriert. Der plötzliche Wegfall ihrer

persönlichen Perspektiven ist nicht nur für sie, sondern auch für unsere Stadt ein großer

Verlust und dies nicht allein vor dem Hintergrund sinkender Zahlen an Fachkräften in den

Bereichen Pflege, Wirtschaft und Verwaltung.

Auch wenn ein Abschiebebefehl nach einem angelehnten Asylantrag vom BAMF

(Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) ausgeht, liegt die Verantwortung für die

Umsetzung bei der Stadt Wiesbaden und der zuständigen Ausländerbehörde, die über

Aufenthaltstitel, Duldungen und letztlich über die Abschiebungen entscheidet.

Im Berufsschulzentrum Wiesbaden sind allein seit Juli mindestens acht Fälle bekannt, in

denen Schüler einen Abschiebebefehl erhalten haben. Es ist an der Zeit, dass wir uns

gegen diese Praktiken aussprechen, die vielfach dem Druck der CDU-geführten

Landesregierung geschuldet sind.

Der Wiesbadener Ausländerbeirat zeigte sich kürzlich bereits ebenfalls entsetzt über die

Aussage von Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU), der im Zuge der sogenannten

„Migrationswende“ die gestiegenen Abschiebungszahlen als Erfolg bewertet. Im ersten

Halbjahr 2025 seien mit über 1.000 Menschen aus Hessen rund 30 Prozent mehr als im

Vorjahreszeitraum abgeschoben worden. Darunter sind - und das erleben alle in Schule

Tätigen hautnah mit - viele Schülerinnen und Schüler, die bereits die deutsche Sprache

gelernt haben und auf dem besten Weg sind, sich hier zu integrieren. Schule leistet zu

dieser Aufgabe tagtäglich ihren Beitrag.

Wir bitten deshalb alle Lehrkräfte, die über drohende Abschiebungen Kenntnis

erhalten, uns diese zu melden unter info@gew-wiesbaden.de

Wir fordern die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung sowie die

Stadtverwaltung und die Ausländerbehörde auf, sich solidarisch zu zeigen und sich mit

uns gemeinsam für den Schutz und die Sicherheit junger Menschen einzusetzen. Wer dies

als Privatperson tun möchte, kann versuchen, ein Bleiberecht über eine Petition zu

erwirken.

Die Stadt Wiesbaden fordern wir zudem dazu auf, die Zahlen von Schülerinnen und

Schülern, die von Abschiebung bedroht sind, öffentlich zu machen.

Die Begrenzung von Zuwanderung ist die eine Sache, die Abschiebung von jungen

Menschen eine völlig andere. Sie ist in höchstem Maße unmenschlich!